GLAM REVIAL? NOPE, SCHWEDEN BEBT!
Wer geglaubt hat, Glam Rock sei irgendwann zwischen Haarspray-Explosionen und MTV-Überdosis gestorben, liegt daneben. Totgesagte leben länger – und in diesem Fall tragen sie Lederjacke, Eyeliner und kommen erstaunlich oft aus Schweden.
Was heute für viele uns wie ein Revival wirkt, ist bei genauerem Hinsehen etwas ganz anderes: eine Szene, gerade in Schweden nie wirklich verschwunden ist.
Wie konnte das an uns nur so vorbei gehen? WtF!!
Gehört und für geil befunden!!
Glam Rock stirbt nicht – er lebt immer noch in Schweden
Glam Rock war nie nur Musik. Es war Haltung. Übertreibung. Rebellion gegen das Normale. Bands wie Mötley Crüe oder Poison lebten davon, größer zu sein als das Leben selbst. Dann kam der Bruch: Grunge, Realismus, weniger Schminke, mehr Selbstzweifel. Glam wurde plötzlich als peinlich abgestempelt – zu künstlich, zu laut, zu viel. Nur: Nicht überall. Schweden machte einfach stets weiter und ein eigenes Ding daraus. Während große Teile der Welt Glam zu Grabe trugen, haben sich in Schweden Bands formiert, die das Ganze nie als Phase gesehen haben. Gruppen wie Crashdïet, Hardcore Superstar oder Crazy Lixx stehen exemplarisch für eine Szene, die nicht versucht, etwas wiederzubeleben – sondern schlicht weitermacht.
Der Unterschied zu früher?
Weniger Hochglanz, mehr Dreck. Weniger Pose, mehr Substanz. Man nennt das heute oft „Sleaze Rock“ – im Kern bleibt es aber das, was Glam immer war: eingängige Riffs, große Refrains und eine gesunde Portion Größenwahn. Glam Rock hat kein richtiges Revival, es ist eher wie ein Dauerzustand. Von außen betrachtet wirkt es natürlich oft wie ein Comeback. Retro ist wieder gefragt, die 80er erleben kulturell ohnehin eine Renaissance. Serien, Mode, selbst Popmusik bedienen sich wieder an der Ästhetik dieser Zeit. Doch im Fall von Glam trifft das nur halb zu.
Die Szene hat sich nie aufgelöst, sondern ist in den Untergrund gewandert. Kleinere Clubs statt großer Arenen, treue Fanbases statt Massenhysterie. Streaming hat diesen Zustand sogar stabilisiert: Heute reicht ein loyales Publikum, um dauerhaft zu existieren.
Die neue geile Ehrlichkeit des Glam
Interessant ist, dass moderner Glam oft weniger geschniegelt daherkommt als sein Vorgänger. Wo früher Perfektion dominierte, darf es heute wieder roh sein. Bands verzichten bewusst auf über produzierten Sound und setzen stattdessen auf Energie. Das Ergebnis: Musik, die sich weniger nach Nostalgie und mehr nach Überzeugung anfühlt. Selbst augenzwinkernde Acts wie Steel Panther zeigen, dass das Genre längst selbstironisch geworden ist – ohne dabei seine musikalische Qualität zu verlieren.
Hej und warum gerade Schweden?
Etwa weil wir selbst Fans der nordischen Lebensart sind? Nope. Schön wär´s. Die Antwort ist so simpel wie unspektakulär: Kontinuität. Schweden verfügt seit Jahrzehnten über eine stabile Rock- und Metal-Infrastruktur. Gute Produzenten, funktionierende Labels (wie etwa Frontiers Records) und eine Kultur, die Gitarrenmusik nie komplett abgeschrieben hat. Während anderswo Trends schneller wechseln als Unterwäsche, hält man hier an dem fest, was funktioniert – und entwickelt es weiter.
Fazit: Glam ist kein Trend – er ist ein Überlebenskünstler und wird hierzulande eher ins Abseits gedrängt. Nicht populär genug, zu wenig Rendite. Eben nicht massentauglich. Wer heute von einem Glam-Rock-Revival spricht, greift zu kurz. Es geht nicht um ein Comeback, sondern um Ausdauer. Die Szene ist kleiner geworden, ja. Aber auch ehrlicher. Weniger Show für die Masse, mehr Leidenschaft für die, die geblieben sind. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Glam Rock heute wieder interessant wirkt: Er versucht nicht mehr, jedem zu gefallen. Er macht einfach weiter.