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Tattoos sind mein Schutzschild- Marina

Zufallsbekanntschaften im Alltag führen manchmal zu den eindrucksvollsten Begegnungen – so auch bei Marina. Anfang 50, eine attraktive Frau, vollständig tätowiert von Hals bis zu den Beinen mit bunten Sternen an der Wange, strahlt sie eine Ruhe und Stärke aus, die man auf den ersten Blick kaum erahnt. „Meine Tattoos sind mein Schutzschild“, sagt sie. „Sie garantieren mir, dass ich selbst entscheide, wer in mein Leben darf.“ Jede Fläche auf ihrer Haut erzählt eine Geschichte – eine Geschichte von Schmerz, Überleben und Selbstermächtigung.

Von Traumata geprägt – auf der Suche nach Liebe
Marina trägt eine bewegte Vergangenheit in sich. Als Kind wurde sie jahrelang von ihrem Vater missbraucht. Später stürzte sie sich von einer Beziehung in die nächste, immer auf der Suche nach Liebe. „Ich war so selbstlos, dass es immer wieder ausgenutzt wurde“, erinnert sie sich. Dieses Muster führte sie schließlich bis zur Selbstaufgabe – bis sie erkannte: So kann es nicht weitergehen.

Therapie, Selbstfindung und neue Freiheit
Der Wendepunkt kam mit einer mehrjährigen Therapie. Marina lernte, sich selbst anzuerkennen und zu verstehen, dass sie ihre Liebe nicht erzwingen muss. „Ich habe das Recht, so zu sein, wie ich es möchte“, sagt sie heute selbstbewusst. Parallel begann sie, sich tätowieren zu lassen – jede neue Fläche ein Meilenstein auf dem Weg zu sich selbst. Viele ihrer Tattoos tragen Erinnerungen an Reisen nach Thailand und Asien in sich, Symbole für Freiheit, Abenteuer und Selbstbestimmung. Die Haare hat sie hinten zu einem Dutt hochgesteckt, damit der tätowierte Hals sichtbar ist – ein Statement für ihre Identität.

Menschen wechseln oft die Straßenseite – und sie lacht darüber
Marina weiß, dass ihre Tattoos Wirkung zeigen. „Manchmal wechseln Menschen die Straßenseite, wenn sie mich sehen“, erzählt sie lachend. Früher hätte sie das verunsichert. Heute denkt sie sich: Super, dann habe ich mehr Platz für mich und mein Leben. Diese Haltung spiegelt ihre Freiheit wider und die Selbstbestimmung, die sie sich über Jahre erarbeitet hat.
Heute lebt Marina in einer kleinen Wohnung in Weiden in der Oberpfalz, umgeben von drei Hunden. Sie waren auch der Grund, warum wir mit ihr ins Gespräch gekommen sind. Ihr Pferd erzählt sie uns, steht in einem Reitstall, wo ihre Erfahrung und ihr Umgang mit dem Tier sehr geschätzt werden – unabhängig davon, wie sie aussieht. „Ich genieße es, meinen Raum zu haben, mich frei zu bewegen“, sagt sie. „Es gibt Menschen, die mich nicht nach meinem Äußeren beurteilen, sondern sehen, was ich trotz meiner Vergangenheit geschafft habe“, sagt sie. Tattoos, Reisen, Selbstfindung, Arbeit und Alltag – all das ist Teil eines selbstbestimmten Lebens, das sie heute mit Stolz lebt.