Zwischen Social Media, Kontrolle, Angst
Die Nachricht kommt über Instagram. Lena (Name geändert), eine junge Frau, bildhübsch, über 100K Follower, meldet sich bei uns, weil sie ihrem Bilderbuchalltag entfliehen möchte – zumindest für ein paar Minuten, für ein Gespräch außerhalb der ständigen Kontrolle. „Manchmal fühlt sich alles wie ein einziger Check an“, schreibt sie. „Ich muss immer wissen, dass alles stimmt, sonst kriege ich Angst.“
Ein Leben im ständigen Alarmzustand
Lena lebt, wenn man ihren Social Media Account ansieht, ein echtes Bilderbuch Leben. Tolle Wohnung, viele Follower, unzählige Reisen, coole Partys, immer perfekt gestylte Bild-Sessions. Aber das ist nur eine Seite. Die andere Seite ihres Lebens ist gefüllt mit ausgeprägten Kontrollzwängen und Angstattacken, die jeden Moment des Alltags beeinflussen. Besonders seit ihre Mutter einen Schlaganfall erlitten hat, sind ihre Sorgen noch intensiver geworden.
Mehrmals täglich überprüft sie nicht nur den Gesundheitszustand ihrer Mutter, sondern auch die eigenen Hände, ob sie sich normal bewegen lassen. Mehrmals im Jahr geht sie zum allgemeinen Gesundheitscheck, lässt fast jeden Monat ein Blutbild erstellen– kleine Dinge, die ihr ein Gefühl von Sicherheit geben, aber auch geplant sein wollen. Sie geht so etwa zu unterschiedlichen Ärzten, damit keiner ihre Ticks bemerkt.
Die Kontrolle endet nie. Auch zu Hause muss alles stimmen: bevor sie das Haus verlässt, steht sie extra früher auf, erstellt Listen, fotografiert Türen und Fenster, um sicherzugehen, dass alles verschlossen ist. „Wenn ich einmal etwas vergesse, steigt die Angst sofort. Dann denke ich, irgendetwas könnte passieren, und ich könnte es nicht verhindern“, erklärt Lena.
Unterwegs nur mit Plan
Autofahren meidet sie weitgehend. Obwohl sie den Führerschein besitzt, hat sie Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen, die außer Kontrolle geraten könnten und im schlimmsten Fall gesundheitliche oder auch schwere finanzielle Folgen hätten. Deshalb erledigt sie die meisten Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Jeder Schritt will gut überlegt sein, jede Entscheidung vorhergeplant, um Risiken zu minimieren.
Trotz des täglichen Drucks versucht Lena, ihr Leben nicht von der Angst bestimmen zu lassen. Sie arbeitet an kleinen Schritten, um sich selbst zu vertrauen, und sucht bewusst Momente, in denen sie loslassen kann. „Es ist schwer, aber es lohnt sich. Ich lerne, dass die Welt auch dann funktioniert, wenn ich nicht alles unter Kontrolle habe“, sagt sie.
Mut, über die Ängste zu sprechen
Mit ihrer Geschichte möchte Lena anderen zeigen, dass man sich nicht verstecken muss, nur weil man Ängste und Zwänge hat. „Ich möchte, dass Leute verstehen: Man kann Ängste haben, und trotzdem ein Leben führen, das Spaß macht. Man muss nur den Mut haben, sich seinen Herausforderungen zu stellen.“ Und irgendwann, werde ich das auch auf meinen Account sichtbar machen. Doch im Moment kann ich das noch nicht.
Danke für Dein Vertrauen Lena!! - Die Redaktion-