Tattoos mit Ü40- WARUM?
Viele uns haben ihr erstes Tattoo mit Sweet 18 bekommen. Auch ich selbst habe mein erstes Tattoo mit 18 bekommen. Eigentlich ziemlich spät, denn schon als Teen war ich völlig fasziniert von der Kunst auf der Haut. Ich habe damals mit Filzstiften experimentiert, mir selbst Tattoos „gemalt“ und so getan, als könnte ich stechen. Irgendwann kamen dann die ersten verheerenden DIY-Experimente mit Nadel, Tinte und Faden hinzu. Aber irgendwann wurde man dann 18 und es war soweit: Mein erstes echtes Tattoo. Damals war das noch ein echtes Abenteuer – Tattoo-Studios gab es nicht auf dem Dorf, also musste ich in die nächstgrößere Stadt fahren. Heute trage ich all diese frühen Tattoos noch immer mit Stolz. Niemals würde ich sie covern lassen.
Beim Fotografieren auf der Straße treffe ich oft Menschen und frage sie nach ihren Tattoos, nach ihren ersten Erfahrungen, nach der Geschichte dahinter. Dabei höre höre ich stets ähnliche Sätze: „Viel zu spät! Hätte ich nur früher angefangen!“ Das erste Tattoo mit 55, dass erste mit 60. Yes. Diese Geschichten zeigen mir, dass es vielen ähnlich geht – die Leidenschaft für bunte Tinte auf der Haut ist da, brennt, aber trotzdem wartet man zu lange. Um den Hintergrund besser zu verstehen, haben wir von Rusty Pins mit Markus und Elvira Steiner gesprochen – Live-Coach und Experten für Lebensfragen. Warum finden viele erst mit 40+ den Mut , sich ihr erstes Tattoo stechen zu lassen – und was einen zuvor hemmt.
Unser Interview mit Markus und Elvira Steiner
Rusty Pins: Markus, warum zur Hölle warten eigentlich so viele Menschen bis über 40, bevor sie ihr erstes Tattoo kriegen, obwohl man es doch schon mit 18 könnte?
Markus Steiner: Ach, das ist einfach: Angst. Angst, einen Fehler zu machen, Angst vor dem Urteil anderer, Angst davor, dass es „für immer“ ist. Mit 18 denkt man noch: „Ach, ich hab Zeit, das kommt später.“ Und zack – plötzlich bist du 42 und fragst dich: „Warum hab ich das nicht schon längst gemacht?“
Rusty Pins: Also ist es wirklich nur die Angst?
Markus Steiner: Teilweise, ja. Aber auch Bequemlichkeit, gesellschaftliche Erwartungen, Karriere, Familie. Früher denkt man: „erst wenn ich das und das erreicht habe, dann“. Und irgendwann merkt man: Ach, was soll der Quatsch? Das Leben ist zu kurz für Aufschub.
Rusty Pins: aber wieso traut man sich dann erst mit 40 plus?
Elvira Steiner: Weil man mit 40 merkt, dass man sich selbst nichts mehr beweisen muss. Die ganzen Erwartungen, die Jugend, die ganzen Regeln – plötzlich ist alles wurscht. Man hat Geld, man hat Erfahrung, man weiß, was man will. Und verdammt nochmal, man hat gelernt: Es ist MEIN Körper, MEIN Leben, MEIN Tattoo. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Rusty Pins: Also ist es mehr eine Frage von Selbstbewusstsein als von Mut?
Markus Steiner: Absolut. Selbstbewusstsein, Gelassenheit, der Punkt, an dem man kapiert: Ich lebe für mich, nicht für andere. Früher hat man sich oft von Eltern, Freunden, Gesellschaft beeinflussen lassen – was erlaubt ist, was cool ist, was man „nicht machen sollte“. Mit 40 weiß man: Ich entscheide, Punkt.
Rusty Pins: Gibt es noch andere Gründe, warum Leute erst später zum Tattoo greifen?
Elvira Steiner: Klar, praktische Dinge. Karriere, Familie, Finanzen – früher denkt man, „erst wenn ich das und das erreicht habe, dann“. Und dann merkt man irgendwann: Ach, was soll der Quatsch. Das Leben ist zu kurz, um auf den perfekten Moment zu warten. Tattoo ist wie ein Statement: Ich lebe jetzt, ich mach das für mich.
Rusty Pins: Also ist es nie zu spät?
Markus Steiner: Nie. Im Gegenteil, es kann sogar besser sein, bis man 40 plus wartet. Man weiß jetzt genau, was man will. Das Tattoo wird nicht halbherzig oder impulsiv, es hat Bedeutung, Geschichte. Es ist erwachsen, bewusst, ein echtes Kunstwerk auf der Haut – und nicht nur ein „ach, mal sehen, was passiert“-Ding, das man mit 18 schnell hingekritzelt hat.
Rusty Pins: Eine letzte Frage noch an Euch beide: Was würdest du den Leuten sagen, die sich noch nicht trauen?
Markus Steiner: Hör auf zu warten. Hör auf, dich zu rechtfertigen. Hör auf, anderen zu gefallen. Wenn du ein Tattoo willst, mach es. Heute. Nicht morgen, nicht in zehn Jahren. Dein Körper, dein Leben, deine Regeln. Und ja, es fühlt sich verdammt gut an, wenn man endlich diesen Schritt macht – egal, ob 18, 25 oder 45.
Elvira Steiner: Einfach leben und machen. Wir alle denken unser Leben zu kompliziert und verpassen so viel.